Weinmarkt, Eis und Festspiele

Meilensteine der jüngeren Stadtgeschichte

Kulturereignis mit jahrzehntelanger Tradition: die Heppenheimer Festspiele. Foto: Thorsten Gut

19.08.2020
Autohaus Stumpf

1952: Der erste Bergsträßer Weinmarkt wird eröffnet. Am 28. Juni beginnt eine lange Tradition. Seither kommen an zehn Tagen um die 100 000 Gäste in die Altstadt. Bei der Premiere waren es immerhin schon 20 000. Der 68. Weinmarkt wurde wegen Corona abgesagt. 

1955: Heppenheim bleibt Kreisstadt. Bereits 1938 wurde im Zuge einer Gebietsreform der größte Teil des dabei aufgelösten Kreises Bensheim in den Kreis Heppenheim eingegliedert, der auch zum Rechtsnachfolger des Kreises Bensheim wurde. Die größere Nachbarstadt war damit niemals richtig glücklich geworden. Im Juli 1955 beschloss dann der Kreistag mit deutlicher Mehrheit die Erweiterung des Landratsamts in Heppenheim. Damit war die Frage nach dem Standort des Verwaltungssitzes vom Tisch. 

1958: Europas größtes Eiscremewerk plant den Umzug nach Heppenheim. 1960 läuft das erste „Eis am Stiel“ vom Band. Die Ansiedlung des Langnese-Werks gilt als Sternstunde des wirtschaftlichen Aufbruchs der Stadt. Mit beachtlicher Sogwirkung: In der Folge ließen sich an der Tiergartenstraße etliche namhafte Unternehmen nieder. Darunter Adrema Pitney Bowes und Honeywell Bull. Tausende neue Arbeitsplätze entstehen. 

1968: An der A5 wird die Anschlussstelle Heppenheim freigegeben. Gut für die Bewohner und das Gewerbe. Durch die Abtragung von rund 12 000 Kubikmeter Erde und der Förderung von etwa einer Million Kubikmeter Kies für den Autobahnbau entstand der Bruchsee. Heute ein beliebtes Naherholungsgebiet.

1974: Heppenheim bekommt eine Fußgängerzone. Nach nur vier Monaten war die Bachgass in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt. Es folgte die Neubebauung der Lehrstraße. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit um den 1969 fertig gestellten Parkhof mit Platz für gut 250 Autos, ohne den eine Fußgängerzone kaum sinnvoll gewesen wäre. Mehrere Grundstückseigentümer wehrten sich gegen die Umwidmung der vorher als Gartenland genutzten Fläche. Erst die Androhung von Zwangsenteignungen machte dem Zwist ein Ende. Zwei Jahre später wurde gebaut.

1974: Die Heppenheimer Festspiele starten ihre lange Karriere. Hans und Ingeborg Richter gründen ein Privattheater mit der Ouvertüre „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal. In der zweiten, später zentralen Spielstätte – im Kurmainzer Amtshof – führt Richter (2008 verstorben) bis 1992 immer wieder Regie. Danach übernimmt sein Sohn Thomas (1947-2017) die Intendanz. 2016 begann die Kooperation mit den Hamburger Kammerspielen. 2018 zog sich Richters Ehefrau Sabine aus der Leitung der Festspiele zurück, Stephan Brömme übernahm. Im Mai stellte die Festspiel-GmbH Antrag auf Insolvenz. Die Saison 2020 ist wegen Corona geplatzt. Der Vertrag mit der Stadt Heppenheim läuft Ende des Jahres aus. 2021 wird es wegen der Umbauarbeiten im Amtshof keine Festspiele geben. tr