Das gute Gewissen kauft mit

Second-Hand-Modeladen ZweitGlück bietet nach Zeit der Einschränkung wieder volle Auswahl vor Ort

Melanie Fröhder: „Gebt abgeliebten Kleidungsstücken ein neues Leben!“ Foto: Jens Kowalski

7.09.2021

„Die Aktion Heimat shoppen unterstütze ich!“, sagt Melanie Fröhder, die Chefin der Second-Hand-Boutique ZweitGlück. Und zu der IHK-Aktion hängt auch das Logo an ihrem Briefkasten. Grund: Gerade das Einkaufen vor Ort, im Ladengeschäft, macht ihre Geschäftsidee, die sonst meist nur online zu finden ist, zu etwas Besonderem. Aussuchen, stöbern und in aller Ruhe anprobieren – das ist bei ihr nun wieder möglich in der Gustavsburger Straße 2 in Trebur-Astheim. Dort gibt Melanie Fröhder in ihrem Modeladen gebrauchter – oder wie sie selbst es nennt – abgeliebter Damen-Markenmode ein zweites Zuhause.

Wegen Lockdown und Pandemie-Einschränkungen hatte eine ganze Zeit lang nur eine Auswahl angeboten werden können via Facebook. Was Kundinnen anhand der Fotos oder Videos gefiel, konnte abgeholt werden. Tatsächlich umfasst das Sortiment jedoch mehr als 500 Einzelteile in den Größen 36 bis 44, sowie Schuhe und Accessoires. Nun ist das Shopping wieder wie gewohnt möglich. „Endlich!“, werden all diejenigen ausrufen, die schon einmal hier waren und sich dabei gefühlt haben, wie bei einer guten Freundin.

Melanie Fröhder bietet ausschließlich Markenware an. „Kein Luxus, aber hohe Qualität, zu supergünstigen Preisen“. Mode für Teenager ebenso wie für die jung gebliebene Frau: Kleidung, Schuhe und Accessoires, für Alltag, Outdoor, Freizeit, Business und Festliches. Das Besondere an dem Konzept ist, dass die Mode im Laden angeboten wird. Ganz bewusst grenzt sich die ZweitGlück-Gründerin vom Online-Handel ab: „Der macht die Nachhaltigkeit ja wieder zunichte“, sagt sie mit Blick auf die Transportwege und vielen Retouren, die dann anfallen.

Das gute Gewissen kauft mit Image 2

„Umwelt schonen und dabei sparen!“

Melanie Fröhder verbindet seit rund einem Jahr das Praktische und Gute mit dem Nützlichen: Umwelt schonen und dabei sparen. Wie sie das macht? Ganz einfach. Ihr Geschäftsmodell geht so: Sie verkauft in Kommission, das heißt, die Verkäuferinnen geben gut erhaltene Markenware ab und erhalten ihr Geld, wenn diese verkauft ist. Die Käuferinnen erhalten für kleines Geld schicke Mode. Eine Win-win-Situation.

Umfragen belegen, dass in der Corona-Krise auch bei Mode die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz noch einmal zusätzlichen Schub bekommen haben. Second-Hand-Mode ist en vogue: Gut ein Drittel der Verbraucher in Deutschland kauft demnach gebrauchte Kleidung. Weitere 28 Prozent können es sich vorstellen. „Umweltbewusstsein rückt immer mehr in den Fokus“, sagt Fröhder. Qualität und Langlebigkeit finden Anklang. Das Gewissen kauft mit.

Wie viel das Mode-Recycling der Umwelt tatsächlich hilft? Das zeigt schon ein Blick auf den Wasserverbrauch, der für eine einzige neue Jeans benötigt wird. Dieser liegt bei rund 8000 Litern. Rund 85 Prozent wird dabei für die Bewässerung der Felder bei der Baumwoll-Herstellung verbraucht. „Also lasst uns etwas tun!“, sagt Fröhder, die auch selbst fast nur Second-Hand-Mode trägt: „Gebt abgeliebten Kleidungsstücken, Schuhen und Accessoires ein neues Leben!“ Der Recycling-Gedanke reicht bei ZweitGlück übrigens bis hin zur Einkaufstaschen-Wiederverwertung.

Hier kommen Tragetaschen bekannter Mode-Label zum Zweit-Einsatz, die von Kundinnen gespendet wurden.

Hinzu kommt ein Einkaufs-Erlebnis, das die Chefin so zusammenfasst: „Im Ambiente der 50er Jahre entschleunigt den Einkauf genießen.“ So sei immer auch Zeit für einen kleinen Plausch, ein Wasser oder ein Tässchen Kaffee. „Fühlt Euch einfach wohl!“ Der Umbau der Kellerräume im Stil der 50er und 60er Jahre für das Geschäft passt dazu bis ins Detail. Selbst der Garderoben-Umhang, die Verkabelungs-Optik, die Kaffeetassen oder das kleine Holz-Nähkästchen, das als Ladenkasse dient, stammen aus dieser Zeit.

„Ich will, dass ZweitGlück ein Geheimtipp wird!“, sagt Melanie Fröhders über ihr Ziel in der nahen Zukunft. Gemessen an den Komplimenten, die sie schon von Kundinnen erhalten hat, ist sie davon gar nicht mehr so weit entfernt: „Toll! Anders als in der Frankfurter Zeil findet man hier alles auf einem Fleck!“, lautet zum Beispiel eines davon. Oder: „So klein der Laden ist, so vielfältig ist er!“

Geöffnet ist mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags und samstags von 10 bis 13 Uhr. kow
 

Einkaufen vor Ort prägt Lebensumfeld mit

Foto: Denis Nata/ Fotolia
Foto: Denis Nata/ Fotolia

Befragt man Konsumenten nach ihrem Kaufverhalten, gestehen sie sich meist ein, wenig darüber nachgedacht zu haben, welche Bedeutung es für eine Kommune hat, wenn nicht mehr in Geschäften vor Ort eingekauft wird. Und durch den Beitrag zum sozialen Leben – wie der Brauchtumspflege, Unterstützung von Schulen, Kindergärten durch finanzielles Engagement – geben die Unternehmen in den Innenstädten einen Teil wieder an die Gemeinschaft zurück und sorgen damit für lebenswerte Städte.

Auch in diesem Jahr wollen die Teilnehmer mit zahlreichen Aktionen darauf aufmerksam machen, dass die Kunden durch ihren Einkauf vor Ort ihr eigenes Lebensumfeld selbst mitgestalten können. Auch nach dem Startschuss für die „Heimat shoppen“-Aktionstage Mitte können an weiteren Tagen besondere Erlebnisse und Veranstaltungen stattfinden. (red)

Trebur zeigt Ideen

Alternative für abgesagten verkaufsoffenen Sonntag geplant

Startschuss für die „Heimat shoppen“-Aktionstage ist in diesem Jahr der 10. und 11. September. Kommt dann der verkaufsoffene Sonntag als besonderes Event zu dieser Aktion in Trebur oder nicht? Das war bis vor wenigen Tagen die Frage. Doch dann kam Ende letzter Woche die Absage: „Nach der Besprechung mit unserem Bürgermeister sind wir leider zu dem Schluss gekommen, dass ein verkaufsoffener Sonntag erst mal nicht möglich ist“, berichtet der Vorsitzende des Gewerbevereins Trebur, Armin Borngesser von seinem Gespräch mit Bürgermeister Jochen Engel. Grund: Die Corona-Auflagen seien für eine solche Veranstaltung schlicht nicht zu stemmen gewesen.

Und doch geht der Blick in Trebur nach vorn. „Als Alternative ist ein Late-Shopping geplant“, gibt Borngesser einen Ausblick. Allerdings werde dies dann nicht mehr in den offiziellen Aktionszeitraum von „Heimat shoppen“ fallen. „Gedacht ist die Aktion im nächsten Jahr, Februar oder März als Eröffnung in Trebur“. Wie der Chef des Gewerbevereins weiter ausführt, sollen dann die Hauptstraße beleuchtet und verschiedene Attraktionen geboten werden, „Straßenkünstler, Schlemmergarten, Musik und dergleichen“. Doch auch ohne verkaufsoffenen Sonntag findet die Aktion Heimat shoppen in Trebur in diesem Jahr statt: Geschäfte werden sich mit hauseigenen Aktionen beteiligen. „Es geht uns dabei auch darum, die Aktion noch bekannter zu machen“. kow