Auch durch seine Geschichte hat Erbach eine große Anziehungskraft

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Elfenbein und Wasserspiele

Blick aus dem Lustgarten auf die Orangerie (rechts) und das Schloss (Mitte hinten). Foto: Bettina Gutschalk

Stille Wasser sind bekanntlich tief. Und so erscheint es nur auf den ersten Blick widersprüchlich, dass ausgerechnet in einer so beschaulich-gemütlichen Stadt wie Erbach, ein derart großes Volksfest wie der Wiesenmarkt die Menschen erfreut. Keine Frage: Dieses Fest ist ein guter aber bestimmt nicht der einzige Grund, um Erbach zu besuchen. Schon wenige Meter nach der Ortseinfahrt stellt sich im Angesicht historischer großer Bauten und kleiner hübsch anzusehender Gassen eine angenehme Ruhe ein . Dazu trägt auch die Mümling bei, der rund 50 Kilometer lange Zufluss des Mains, der sich durch den Odenwald schlängelt und dabei namhafte Städte wie Oberzent-Beerfelden, Michelstadt, Bad König, Höchst im Odenwald und eben auch die ehemalige Residenzstadt Erbach durchquert.Miteinander der GenerationenAngrenzend an die Innenstadt ist der Fluss eingefasst in die Mümling-Promenade, ihres Zeichens attraktives Naherholungsgebiet der Stadt Erbach. Die Promenade eignet sich zum Wandern, Schlendern und Genießen und zuweilen entdeckt man hier sogar einen Fisch. Auch Familien mit Kinderwagen, Radfahrer oder Menschen mit körperlichen Bewegungseinschränkungen genießen den barrierefreien Weg. Andere wiederum geben im Generationenbewegungspark vor idyllischer Kulisse ihrem sportlichen Bewegungsdrang nach und halten sich körperlich fit. Der Park dient, wie der Name impliziert, dem sozialen Miteinander der Generationen – so wie auf dem Wiesenmarkt selbst. Über allem ragt das Erbacher Schloss. Das bekannte Bauwerk und Touristenattraktion mit seiner schmuckvollen neobarocken Fassade. In seiner jetzigen Erscheinung existiert es seit 1736 als Ergebnis der Erweiterung eines Renaissancebaus unter Graf Georg Wilhelm. In jenem Jahr wurde es fertiggestellt, wenngleich erste Hinweise zumindest einzelner Elemente im Bereich des heutigen Standortes auf das 12. Jahrhundert zurückgehen. Anfang des 13. Jahrhunderts zumindest wurde das Fundament für das Schloss gelegt, das zuerst als Wasserburg angelegt war und später zu einem prächtigen Residenzschloss mit spätbarocker Orangerie und Residenzschloss umgebaut wurde. Unweit des Schlosses ist die evangelische Stadtkirche gelegen, die zu den im südhessischen Raum eher reduziert vorhandenen Querkirchen gehört, bei denen der Querbereich im Vergleich zum Längsbereich dominiert. Die Stadtkirche entstand Mitte des 18. Jahrhunderts.Eine erste Nennung Erbachs geht auf das Jahr 1095 im Lorscher Codex zurück.Zugpferd ElfenbeinDass Erbach als Elfenbeinstadt gilt, ist gemeinhin bekannt. Zu erwähnen ist in diesem Kontext, dass die Erbacher Rose als begehrter Elfenbeinschmuck bei der Weltausstellung in Wien 1873 prämiert wird. 19 Jahre später wird sogar eine Großherzogliche Hessische Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe eröffnet. Im Oktober 1966 wird hier ein Elfenbeinmuseum gegründet.Mit der Gebietsreform 1971/72 werden die Landgemeinden Dorf-Erbach, Erlenbach, Ernsbach-Erbuch, Bullau, Lauerbach, Ebersberg, Günterfürst, Haisterbach, Elsbach und Schönnen vertraglich zu Stadtteilen der Kreisstadt. Eine Zeit lang war sogar ein Zusammenschluss mit der Nachbarstadt Michelstadt angedacht. Doch dieses Vorhaben wurde durch einen Bürgerentscheid im Jahr 2007 abgelehnt. Viele historische Spuren sind beim Streifzug durch die Straßen und Gassen zu entdecken. Ein Grund mehr, die Stadt zu besuchen.Quellen: Stadt Erbach; Anja Dötsch, Schloss Erbach.  

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