Büffeln nach Feierabend
04.09.2018

Lohnt sich ein berufsbegleitendes Studium?

Im Netz und im Hörsaal: Viele Hochschulen setzen auf einen Mix aus Online-Unterricht und Vorlesungen oder Seminaren vor Ort. Foto: Christian Stelling / FOM Hamburg / dpa

Nach dem Abitur wollte Tobias Klatte sofort ins Berufsleben starten. Deshalb entschloss er sich, eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann zu machen – und nebenbei zu studieren. Von nun an ging der Azubi an drei Abenden in der Woche zu den Vorlesungen. Während Freunde feierten oder es sich auf der Couch gemütlich machten, büffelte Klatte für seinen Bachelor in Betriebswirtschaft.

„Im Grunde ist das eine Dreifach-Belastung aus Studium, Job und Privatleben“, erzählt der heute 28-Jährige. Doch das hat ihn nicht davon abgehalten, auch seinen Master neben dem Beruf zu machen. An der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in Hamburg studiert Klatte nun Personalwesen. Die Vorlesungen finden alle zwei Wochen statt, jeweils von Donnerstag bis Samstag. Ein System, das ihm mehr liegt als ein reines Abendstudium: „So kann ich mich intensiver auf das Thema vorbereiten.“ Mit 46 000 Studenten ist die FOM die größte private Hochschule Deutschlands. Sie hat sich ganz auf Berufstätige spezialisiert. „Wer bereits arbeitet, möchte in der Regel nicht seinen Beruf und damit sein Einkommen aufgeben, um zu studieren“, erklärt Professor Burghard Hermeier, der Rektor der Hochschule. Um Job und Studium unter einen Hut zu bringen, gibt es verschiedene Modelle. Viele Angebote setzen auf das sogenannte Blended Learning, also eine Kombination aus Präsenzund Fernstudium. Welche Studienform zum eigenen Lernstil passt, ist letztlich aber auch eine Typfrage.

Bundesagentur für Arbeit
Rund zwei Prozent der Studenten in Deutschland studieren berufsbegleitend. „Darunter fallen jedoch nur Studienangebote, die speziell auf Berufstätige zugeschnitten sind“, erklärt Sigrun Nickel, Leiterin des Bereichs Hochschulforschung beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Hinzu kommen noch Teilzeitstudiengänge oder das duale Studium, das in eine praktische Ausbildung im Betrieb integriert ist.

„Das berufsbegleitende Studium geht überwiegend auf die Privatinitiative der Studierenden zurück“, erzählt Hermeier. Manche würden ihrem Chef erst gar nichts davon erzählen, um keine falschen Erwartungen zu wecken. Dennoch rät der Hochschullehrer dazu, die Firma frühzeitig in die Pläne einzubeziehen. „Das wird in der Regel sehr positiv aufgenommen.“ Oft unterstützt der Arbeitgeber das Vorhaben, etwa indem er dem Mitarbeiter vor wichtigen Prüfungen freigibt.

Auch Klatte hat über sein Studienvorhaben mit dem Arbeitgeber gesprochen. Eine richtige Entscheidung: Nun bekommt er für das Studium zehn Tage zusätzlichen Bildungsurlaub im Jahr. Außerdem schießt der Arbeitgeber etwas mehr als 2000 Euro zu den Studienkosten zu – abhängig von den Noten, die Klatte schreibt. Rund 350 Euro Gebühren zahlt der Student jeden Monat an die FOM, für das gesamte Studium sind es rund 12 000 Euro.

„Berufsbegleitende Studiengänge sind in der Regel kostenpflichtig“, bestätigt Nickel. Meist erhebt die Hochschule die Gebühren für einzelne Module; die Studienordnung regelt dann, wie viele Module für den Abschluss nötig sind. „15 000 Euro für ein berufsbegleitendes Studium sind da keine Seltenheit.“ Hinzu kommt: Wer einem Beruf nachgeht und nur nebenbei studiert, hat keinen Anspruch auf Bafög. Auch Studienkredite richten sich nicht an berufstätige Studenten.

Trotz der Mehrfachbelastung brechen nur wenige ab. „Viele treffen die Entscheidung sehr bewusst und wissen auch, was da auf sie zukommt“, erzählt Nickel. Außerdem sind bei einem Abbruch auch die bereits angefallenen Studiengebühren verloren. An der FOM schließen 80 Prozent das Studium erfolgreich ab. Doch das heißt auch: Jeder Fünfte bewältigt das Pensum nicht. „Teilweise liegt das an der fehlenden fachlichen Eignung, aber oft auch am Zeitmanagement“, sagt Hermeier. Knapp 20 Stunden pro Woche sollten Studierende für das Studium einplanen – etwa die Hälfte davon für die Präsenzphasen. Peter Neitzsch


Auslandssemester

Genug Zeit dafür einplanen

Italien, Spanien oder Schweden: Wollen Studierende ein Semester im Ausland verbringen, sollten sie dies frühzeitig planen. Aber müssen sie damit gleich im ersten Semester beginnen? „Realistisch betrachtet brauchen Studierende etwa ein bis zwei Semester, um die Hochschule und ihr Fach zu verstehen“, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Im zweiten Semester sollten sie sich beim Auslandsbeauftragten des Fachbereichs nach Angeboten erkundigen: Welche Kontakte und Kooperationen gibt es? Wichtig ist dabei, frühzeitig nach Vorlaufzeiten zu fragen. „Im Schnitt sollte man etwa ein Jahr Vorbereitungszeit für einen Auslandsaufenthalt einplanen“, erklärt Grob. Bei sehr etablierten Programmen wie Erasmus könnte es auch schneller gehen. mag

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