Goldmann-Stipendium geht an Rapper aus Berlin
04.10.2018

Würdigung für Ben Salomons Engagement für die deutsch-jüdische Verständigung

Ben Salomon erhält am 24. Oktober das Robert-Goldmann-Stipendium der Stadt Reinheim für sein Engagement. Foto: Veranstalter

Bereits zum 18. Mal wird in diesem Jahr das Robert-Goldmann-Stipendium von der Stadt Reinheim vergeben. Dennoch handelt es sich diesmal um eine Premiere. Erstmals erhält das Stipendium ein Rap-Musiker und You Tuber („Rap am Mittwoch“). Am 24. Oktober um 19 Uhr nimmt der jüdische Rapper Ben Salomo die Auszeichnung entgegen. 

Der gebürtige Israeli, der seit seinem vierten Lebensjahr in der deutschen Hauptstadt aufgewachsen ist, heißt mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalmanovich. Ausgewählt wurde der 41-Jährige wegen seines Engagements gegen Antisemitismus und Rassismus und für seinen Einsatz für einen respektvollen Umgang – gerade in der Rapper-Szene ein wichtiges Thema. Hier habe Salomo „eine große Menge an realem Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und Frauenverachtung“ beobachtet und erfahren, erklärte er. Die Szene müsse überlegen, wie dies mit „mit Hip-Hop-Werten wie Toleranz und Respekt“ vereinbar sei.

Zur Begründung der Auswahl des Stipendiaten erklärte der Reinheimer Bürgermeister Karl Hartmann: „Er setzt sich mit seinen Rap-Texten und Veranstaltungen sehr für den deutsch-jüdischen Dialog und gegen Rassismus ein.“ Zudem sei der Berliner, der 2016 sein erstes Solo-Album mit dem Titel „Es gibt nur Einen“ veröffentlichte, entschieden gegen rechte Tendenzen in der Hip-Hop-Szene vorgegangen.

Der Preisverleihung in der Dr.-Kurt-Schumacher-Schule vorausgehen soll ein Projekt mit Schülern der Schule sowie Austauschschülern aus Italien, die zu Gast sein werden. Über mehrere Tage sollen die Jugendlichen mit Salomo die Themen Rassismus und Antisemitismus aufarbeiten. Das Ergebnis soll in eine Darbietung bei der Preisverleihung einfließen.

Die Laudatio an dem Abend wird Livia Gerster, Redakteurin der FAZ-Sonntagszeitung, halten. In einem Interview mit ihr hatte Ben Salomo erklärt, aus der Rap-Szene auszusteigen. Auslöser war der Skandal um die Verleihung des Musikpreises Echo an die Rapper Kollegah und Farid Bang. Viele Musikerkollegen hatten dagegen protestiert und ihre Preise zurückgegeben.

Ben Salomo hatte im Nachgang erklärt, er habe keine Lust mehr, sich innerhalb der Szene zu engagieren, das habe er nun jahrelang vergeblich getan. Auch massive Bedrohungen gegen ihn gab es. Der Berliner schrieb aber auf Facebook: „Damit beende ich aber nicht meine Arbeit zur Aufklärung und meinen Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus.“

Message an die Jugend

Dazu geben ihm das Goldmann- Stipendium und Projekte wie das an der Reinheimer Schule nun Gelegenheit. Der Vorschlag, Ben Salomo auszuzeichnen, kam von Autor und Politiker Michael Mertes, der 2011 selbst Stipendiat war. Die Idee kam unter anderem bei Robert Goldmanns Sohn sehr gut an: „Es könnte Eindruck auf junge Leute machen, wenn er den Preis erhält“, habe dieser gesagt, so Hartmann.

Der Namensgeber des Stipendiums, Robert Goldmann, ist inzwischen 97 Jahre alt und lebt in New York. Aufgewachsen war er in Reinheim als Sohn eines jüdischen Landarztes. Nach der Reichskristallnacht war die Familie in die USA geflohen. Seit dem Jahr 2000 verleiht die Stadt Reinheim das Stipendium, für das 1999 ein Sonderfonds in Höhe von 50 000 Euro angelegt worden war. Aus den Erlösen werden die Preisgelder für die Stipendien finanziert. Zu den Ausgezeichneten gehören wichtige Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik und Kultur, die sich „mit Fragen von Rassismus und der Wahrung der Menschenwürde unter Beachtung insbesondere auch des deutschjüdischen Verhältnisses beschäftigen“, wie es im bei Gründung des Preises verfassten Beschluss heißt.  red/stü

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