Die Scheren sind scharf

Aufatmen bei Thorsten Gude, Inhaber des Friseursalons „Bella Capelli“: ab 1. März darf wieder gearbeitet werden

Kaum abwarten kann Thorsten Gude, Inhaber des Friseursalons „Bella Capelli“, den 1. März. Dann darf er, wie bundesweit rund 80000 Friseurbetriebe seinen Laden endlich wieder öffnen. Foto: Andrea Glogowski

17.02.2021

„Es ist ein Ende in Sicht und wir haben wieder ein Ziel vor Augen“, sagt Thorsten Gude erleichtert. Am 1. März darf der Inhaber des Friseursalons „Bella Capelli“ in der Heinrich-Delp-Straße wieder öffnen. Somit hat er endlich nicht nur eine Antwort auf die immer wiederkehrende Anfrage von Kunden: „Wann kann ich denn wieder zu euch kommen?“, sondern eine Perspektive. Diese fehlte bis zum Abend des 10. Februar – der Moment, an dem Kanzlerin Angela Merkel die neuen Beschlüsse des Bund-Länder-Treffs zum Lockdown und damit die gute Nachricht für Friseurbetriebe verkündete.

Fast zeitgleich begann das Telefon von Thorsten Gude zu klingeln mit Anfragen für Termine. Ein schönes Gefühl für den Friseurmeister: „Seitdem bin ich ständig im Telefoneinsatz, die Kunden wollen kommen und beteuern, wie heilfroh sie sind, dass wir noch da sind.“ Derzeit ist das Geschäft zwar noch geschlossen, doch der Chef ist für Terminvereinbarungen telefonisch, per WhatsApp, auf Facebook und Instagram (@bellacapellifriseure) oder per E-Mail erreichbar – und damit wieder in seinem Element.

Die Situation seit dem 16. Dezember, als er die Türen auf unbestimmte Zeit dicht machen musste, war „katastrophal“, wie Thorsten Gude ungern zurückdenkt. „Ich arbeite seit meinem 17. Lebensjahr und eine vergleichbare Situation wie seit 2020, in der es hieß, »du darfst nicht arbeiten«, gab es noch nie.“ Man merkt ihm an, wie „massiv der Zustand an die Substanz gegangen ist.“ Einmal emotional: „Friseur zu sein ist meine Leidenschaft, mein Leben“, sagt er. Vor allem aber finanziell, denn die vom Bund versprochenen Hilfen sind bislang ausgeblieben. Auf einen verzweifelten Brief ans hessische Ministerium habe er die „lapidare Antwort, ich könne ja Grundsicherung beantragen“ bekommen. Das war`s. „Man wird komplett allein gelassen.“

Durchhalten kostete Kraft und viel Geld

Daher ist ein Großteil seiner Altersvorsorge in den Erhalt des Geschäftes während des Lockdowns geflossen. „Wenn ich mir überlege, dass ich jetzt erstmal wieder viele Jahre lang arbeiten muss, um auf die gleichen Rücklagen zu kommen“, überlegt der 50-Jährige mit einem mulmigen Gefühl.

Seit 2004 arbeitet der Friseurmeister aus Frankfurt, der schon im elterlichen Betrieb als Friseur tätig war, in Eberstadt, 2009 hat er den seit mehr als 60 Jahren bestehenden Salon „Bella Capelli“ übernommen – und seit 2020 ständig die Angst im Nacken, aufgeben zu müssen. „Man hangelt sich von Hoffnung zu Hoffnung“, erzählt er, „Kleinstunternehmer haben natürlich das Problem, dass sie länger durchhalten als es betriebswirtschaftlich vernünftig ist. Aber man hat schließlich alles mit Herzblut aufgebaut.“ Der Wunsch wieder gebraucht zu werden, ließ ihn ausharren.

Nun werden er und seine Mitarbeiterinnen wieder gebraucht und bekommen alle Hände voll zu tun. Ein Glück sind sie ein eingespieltes und sich gut ergänzendes Team. Alev ist Meisterin mit einem Händchen für Farben und Spezialistin für aufwändige Steckfrisuren. Gesellin Hatice weiß besonders gut lange Haare zu bändigen und Strähnchen zu setzen, ebenso wie Gesellin Gülcan, die im Salon bereits ihre Ausbildung absolviert hat, und gerne Hand an lange Haare anlegt und einen sehr guten Blick für Farben hat. Der Friseurmeister und Chef selbst ist Spezialist für Kurzhaar- und Herrenfrisuren. Somit können ab 1. März wieder alle Kundenwünsche bedient werden – wenn die Kunden auch auf ein paar Dinge achten.

Wichtig ist die Einhaltung der vorgegebenen Regeln: Bedient wird nur, wer einen Termin vereinbart hat. Diese werden so geplant, dass sich nur vier Kunden im Geschäft aufhalten und somit Abstände eingehalten werden können. Außerdem dürfen nur medizinische Masken getragen werden – das Tragen von Stoffmasken reicht also nicht aus.

„Viel ändert sich aber nicht für uns, wir haben uns ja vorher bereits an alles gehalten, die Kundenzahl beschränkt und jeden Platz desinfiziert, Scheren und Kämme sowieso“, betont Thorsten Gude. „Außer ein bisschen klar Schiff machen, die Bestände an Haarfarben und Pflegemitteln auffüllen, ist daher nicht zu tun“, sagt der Chef. „Die Scheren sind scharf, die Kämme sauber.“ stü

Kontakt


Bella Capelli
Friseursalon
Heinrich-Delp-Straße 3
64297 Darmstadt-Eberstadt
Telefon: 06151/5 59 34
E-Mail: info@bella-capelli.de
www.bella-capelli.de