Aufatmen in der Innenstadt

Kundinnen und Kunden wollen wieder vor Ort konsumieren – und tun dies auch

Susanne Junginger (Junginger-hautnahe-Mode) und Thomas Hartmann (Hartmann-Mode) laden nach Rüsselsheim ein zu Preisreduzierungen wie im Sommer-Schluss-Verkauf. Foto: Patrik Philippi

29.07.2021

Bei sinkenden Inzidenzen konnten die Innenstadtgeschäfte ihre Türen in den vergangenen Wochen wieder öffnen. Wie geht es dem stationären Einzelhandel jetzt? Zum Beispiel in Rüsselsheim? Susanne Junginger von „Junginger – hautnahe Mode“ und Thomas Hartmann vom gleichnamigen Modefachgeschäft sagen im Rückblick auf den 14. Mai, dem Tag, an dem das Einkaufen mit Termin wieder möglich war: „Wir waren alle happy!“. Ab diesem Zeitpunkt sei die Kundenfrequenz täglich gestiegen. Als es dann später auch möglich war, ohne Termin einzukaufen, sei es auch wieder zu spontanen Einkäufen gekommen. „Die Frequenz ist dann nochmals angestiegen mit der Öffnung der Gastronomie Ende Mai.“ Gleichwohl arbeiteten noch viele Menschen in Home-Office, räumen die beiden ein. „Die Städte sind daher nicht mehr so gefüllt wie vor Corona.“

Laut Umfrage des Handelsverbands Deutschland hellt sich das Stimmungsbild der Branche bundesweit auf. Die Menschen möchten konsumieren – und tun das auch. Was heißt das für die Modebranche? „Bekleidung, Schuhe und Wäsche, hier besonders Unterwäsche, also BHs und Slips, werden gerne im Fachgeschäft gekauft“, sagt Susanne Junginger. „Kundinnen und Kunden möchten die Ware sehen, anfassen und vor Ort probieren.“ Wie Hartmann und Junginger betonten, spricht aber vor allem auch eine kompetente Beratung für den stationären Handel. Das alles bekomme man so nicht übers Internet. „Von den Kunden, die die Rüsselsheimer Geschäfte besuchen, hören wir immer wieder, dass sie froh sind, dass man jetzt wieder vor Ort einkaufen kann.“

Trend: Business-Casual

Damit das so bleibt, sei natürlich Engagement der Geschäftsleute nötig: „Natürlich müssen wir alle unser Sortiment den neuen Gegebenheiten anpassen.“ Die Arbeitswelt habe sich geändert. Dadurch ändere sich auch der Mode-Stil. „Wir erleben eine Entwicklung weg vom klassischen Business-Stil, hin zu dem neuen Business-Casual-Stil.“ Woran sich dieser zeigt? „Mehr Freiraum bei der Auswahl und Kombination von Kleidungsstücken, insbesondere in den eigenen Geschäftsräumen, beim Termin mit den eigenen Kollegen, oder bei Video-Konferenzen“, erklärten die beiden. Angesagt sind demnach kurzärmlige Hemden oder Blusen, Blusenjacken, Polohemden, schöne Jeans, T-Shirts, Pullover und Jacken. Die Herren dürfen auf Jackett und Krawatte verzichten. Die Damen auf den Blazer. Gleiches gilt für informelles Schuhwerk wie Sneakers. „Generell hat die Bekleidung eine sportive Richtung eingeschlagen und das spiegelt sich auch in den Kollektionen wider.“

Was Kundinnen und Kunden jetzt in den Geschäften vor Ort erwarten dürfen? „Einen offiziellen SommerSchluss-Verkauf gibt es zwar nicht mehr“, sagen Junginger und Hartmann. „Trotzdem bieten die Geschäfte Reduzierungen an, wie zu Zeiten des offiziellen SSV“. Grund: Es wird Platz gebraucht für die neue Herbst-Kollektion. „Wer jetzt eine Stippvisite durch einige Geschäfte der Rüsselsheimer Innenstadt unternimmt, wird reichlich Schnäppchen machen können!“ Bei Junginger-haut nahe-Mode beispielsweise ist die gesamte Sommerware reduziert, ausgenommen lediglich die Bademode, da diese mitunter erst jetzt eingetroffen ist. Bei Hartmann-Mode weisen die Prospekte von Camel und Brax auf reduzierte Ware hin. Außerdem sind viele Einzelteile reduziert. Letzteres gilt auch für den Laden Vis-à-vis. Bei Schuh Weishaar gibt es viele Schuhe zum halben Preis. Benetton lockt mit Nachlässen bis zu 50 Prozent. Und auch andere Geschäfte, wie etwa die City Parfümerie Schäfer oder Parfümerie Günther locken mit Angeboten.

Wie wichtig ist die Verknüpfung von Online und Offline jetzt für den stationären Handel, nachdem sich die Corona-Lage langsam entschärft? „Wichtig ist, über alle Medien seine Botschaft zu kommunizieren“, sagt Junginger. Bei ihr geschieht dies über die Homepage, Facebook und Instagram. „Gerade in der Corona-Zeit konnte man über diese Kanäle gut mit seinen Kunden in Verbindung bleiben und auch jetzt nimmt die Bedeutung immer mehr zu.“ Der Kunde informiere sich im Netz und komme dann oft gezielt in den Laden. Diese Erfahrung macht ebenso Thomas Hartmann, der auch einen Online-Shop anbietet. „Auch WhatsApp wird gerne von den Stammkunden benutzt.“

Potenzial in der Region

Welches Potenzial hat die Innenstadt? „Rüsselsheim ist in meinen Augen die Stadt, der kurzen Wege“, sagt Susanne Junginger. Und Thomas Hartmann ergänzt: „Ein Rundgang und man kann alles erledigen!“ Auch, wenn es hier nicht so viele Geschäfte gebe – „die Geschäfte, die da sind, sind gut und haben ein schönes Sortiment!“ Beispiel Textilfachgeschäfte: „Hier gibt es keine Massenware“, erklären Junginger und Hartmann. „Wir setzen auf Qualität und Nachhaltigkeit. In unseren Geschäften gibt es noch ausgebildetes Fachpersonal. Wir beraten gerne.“ Hinzu kommen günstige Parkmöglichkeiten und schöne Plätze wie der Verna-Park. „Ich bin gerne in Rüsselsheim und ich kaufe hier auch ein,“ fasst Junginger zusammen. kow